Skip to main content

WHITE PAPER SERIES   02

Radar für digitale Souveränität

In Deutschland und der Europäischen Union bedeutet digitale Souveränität die emanzipierte und autonome Nutzung digitaler Ressourcen – also die Vermeidung einseitiger Abhängigkeiten und der damit verbundenen Nachteile. Dies ist fast genau das Gegenteil zu dem, wie der Begriff in anderen Kontexten manchmal verwendet wird, wo er sich auf die staatliche Kontrolle des Internetzugangs beziehen kann.

„Dieser Artikel konzentriert sich ausschließlich auf digitale Souveränität, verstanden als die unabhängige und selbstbestimmte Nutzung digitaler Funktionen und Dienste – eine grundlegende Voraussetzung für den nachhaltigen Schutz der Menschenrechte, der Demokratie und des wirtschaftlichen Wohlstands.“

Dimensionen eines digitalen Souveränitäts-Radars

Souveränität wird häufig vereinfacht mit dem Betrieb von IT-Infrastruktur im Inland oder der Nutzung von Open-Source-Software gleichgesetzt. Die Freiheit, digitale Rollen selbstbestimmt und sicher wahrzunehmen, umfasst jedoch ein weitaus breiteres Spektrum an Faktoren, die alle im vorgeschlagenen Radar für digitale Souveränität berücksichtigt werden sollten. Die wesentliche Einteilung des Radars besteht zwischen einer oberen Hälfte, die sich auf die Anbieter-Austauschbarkeit bezieht, und einer unteren Hälfte, die sich mit dem Vertrauen in die Recheninfrastruktur befasst.

 Anbieter-Austauschbarkeit

Umfasst Open Source, Redundanz, Lieferkette, Elastizität und Standards – um sicherzustellen, dass kein einzelner Anbieter einen Lock-in erzeugen kann.

 Vertrauen in die Integrität des Systems

Umfasst Vertraulichkeit, eigene Schlüssel/IDP, Remote Attestation, KI-Regulierung, Europa und Besitzverhältnisse– um sicherzustellen, dass Systeme unter vollständiger rechtlicher und technischer Kontrolle bleiben.


Klick um zu vergrößern

Der Radar als Grundlage für die Arbeit an digitaler Souveränität

Der in diesem Artikel vorgestellte Radar für digitale Souveränität ist mehr als nur eine Illustration – er kann Ausgangspunkt für ehrliche, strukturierte und umsetzbare Gespräche über digitale Unabhängigkeit sein. Jede der zwölf Dimensionen kann bewertet, gemessen und im Laufe der Zeit verbessert werden. Da Organisationen zunehmend die Risiken von Anbieterabhängigkeit (Vendor Lock-in), ungünstigen rechtlichen Rahmenbedingungen und unzureichendem Schutz während der Verarbeitung  erkennen, bietet der Radar eine gemeinsame Sprache, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Die laufende Entwicklung von Souveränitäts-Indizes durch führende Organisationen zeigt einen breiteren Wandel in der Branche – hin zu einer Situation, in der digitale Souveränität nicht mehr ein abstraktes Ideal ist, sondern ein messbarer, vergleichbarer und erreichbarer Standard wird. Wir freuen uns darauf, zu dieser Entwicklung beizutragen und zu sehen, wie der Radar als praktischer Kompass für Organisationen auf ihrem Weg zu vollständiger digitaler Souveränität dient.