In Deutschland und der Europäischen Union bedeutet digitale Souveränität die emanzipierte und autonome Nutzung digitaler Ressourcen – also die Vermeidung einseitiger Abhängigkeiten und der damit verbundenen Nachteile. Dies ist fast genau das Gegenteil zu dem, wie der Begriff in anderen Kontexten manchmal verwendet wird, wo er sich auf die staatliche Kontrolle des Internetzugangs beziehen kann.
„Dieser Artikel konzentriert sich ausschließlich auf digitale Souveränität, verstanden als die unabhängige und selbstbestimmte Nutzung digitaler Funktionen und Dienste – eine grundlegende Voraussetzung für den nachhaltigen Schutz der Menschenrechte, der Demokratie und des wirtschaftlichen Wohlstands.“
Dimensionen eines digitalen Souveränitäts-Radars
Souveränität wird häufig vereinfacht mit dem Betrieb von IT-Infrastruktur im Inland oder der Nutzung von Open-Source-Software gleichgesetzt. Die Freiheit, digitale Rollen selbstbestimmt und sicher wahrzunehmen, umfasst jedoch ein weitaus breiteres Spektrum an Faktoren, die alle im vorgeschlagenen Radar für digitale Souveränität berücksichtigt werden sollten. Die wesentliche Einteilung des Radars besteht zwischen einer oberen Hälfte, die sich auf die Anbieter-Austauschbarkeit bezieht, und einer unteren Hälfte, die sich mit dem Vertrauen in die Recheninfrastruktur befasst.
Anbieter-Austauschbarkeit
Umfasst Open Source, Redundanz, Lieferkette, Elastizität und Standards – um sicherzustellen, dass kein einzelner Anbieter einen Lock-in erzeugen kann.
Vertrauen in die Integrität des Systems
Umfasst Vertraulichkeit, eigene Schlüssel/IDP, Remote Attestation, KI-Regulierung, Europa und Besitzverhältnisse– um sicherzustellen, dass Systeme unter vollständiger rechtlicher und technischer Kontrolle bleiben.
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Digitaler Souveränitäts-Radar
Sehen Sie, wie verschiedene IT-Systeme in den zwölf Dimensionen digitaler Souveränität abschneiden.
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Beispiel 1
Nicht-EU-Hyperscaler
Die Angebote nicht-europäischer Hyperscaler zeichnen sich durch hohe Leistung und Elastizität aus und bieten, solange kein Betreiberwechsel erforderlich ist, sehr günstige Bedingungen für die Entfaltung geschäftlicher Aktivitäten.
Hervorragende Leistung und Elastizität
Datenportabilität über offene Standards
Transparenz und Überprüfbarkeit unzureichend
Ungünstige Rechtslage kann nicht durch Eigentümerschaft ausgeglichen werden
Beispiel 2
EU-Hyperscaler
Europäische Hyperscaler nutzen den Vorteil, dass sowohl ihre Eigentümerstrukturen als auch ihre Infrastruktur innerhalb des europäischen Rechtsraums angesiedelt sind.
Eigentümerschaft und Infrastruktur im EU-Rechtsraum
Transparenz besser als bei klassischen Hyperscalern
Leistung und Elastizität nur geringfügig schwächer
Compliance bei Nutzung nicht-europäischer Anwendungssoftware unklar
Beispiel 3
Classic Best-of-Open-Source
Stellen Sie sich eine Bereitstellung von OpenCloud oder Nextcloud vor, gehostet bei einem der großen deutschen Anbieter wie IONOS oder Hetzner. Die Vorteile von Open-Source-Software und des Betriebs in deutschen Rechenzentren werden vollständig ausgeschöpft.
Vollständiger Open-Source-Software-Stack
Hosting in deutschen Rechenzentren
Standardisierte Datenformate und Portabilität
Alle Vorteile des EU-Rechtsraums vollständig realisiert
Beispiel 4
Dedizierte Souveränitätslösungen
Open-Source-Software wird in europäischen Rechenzentren von einem Anbieter betrieben, dessen Eigentümerstruktur vollständig in Europa verwurzelt ist. Best-Practice-Confidential-Computing sowie Daten- und Systemsicherungsmechanismen sind implementiert.
Open-Source-Software in europäischen Einrichtungen
Anbietereigentümerschaft vollständig in Europa verankert
Souveränitätsanker gewährleistet vollständige Schlüsselhoheit und Autonomie
Der Radar als Grundlage für die Arbeit an digitaler Souveränität
Der in diesem Artikel vorgestellte Radar für digitale Souveränität ist mehr als nur eine Illustration – er kann Ausgangspunkt für ehrliche, strukturierte und umsetzbare Gespräche über digitale Unabhängigkeit sein. Jede der zwölf Dimensionen kann bewertet, gemessen und im Laufe der Zeit verbessert werden. Da Organisationen zunehmend die Risiken von Anbieterabhängigkeit (Vendor Lock-in), ungünstigen rechtlichen Rahmenbedingungen und unzureichendem Schutz während der Verarbeitung erkennen, bietet der Radar eine gemeinsame Sprache, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Die laufende Entwicklung von Souveränitäts-Indizes durch führende Organisationen zeigt einen breiteren Wandel in der Branche – hin zu einer Situation, in der digitale Souveränität nicht mehr ein abstraktes Ideal ist, sondern ein messbarer, vergleichbarer und erreichbarer Standard wird. Wir freuen uns darauf, zu dieser Entwicklung beizutragen und zu sehen, wie der Radar als praktischer Kompass für Organisationen auf ihrem Weg zu vollständiger digitaler Souveränität dient.